Drei Gründe, warum wir eigentlich Gründe suchen müssten, wenn wir keine neuen Gemeinden gründen

Ich wurde gefragt: „Ist Gemeindegründung obligatorisch oder optional – eben nur für Gemeinden, die Gott besonders dafür beauftragt?“

Ich fragte zurück: „Warum gibt es eine Jugendarbeit in eurer Gemeinde?“ Unterschiedliche Antworten kamen, aber keiner sprach von einem spezifischen Auftrag Gottes dafür.

Gemeinden suchen nicht lange nach einer Begründung für eine Jugend- oder Lobpreisarbeit. Um eine neue Kirche zu starten, soll jedoch eine spezifische göttliche Beauftragung benötigt werden.

Hier sind drei Gründe, warum wir eigentlich Gründe suchen müssten, wenn wir keine neuen Gemeinden gründen:

Der theologische Grund: Gemeinde ist die wahre Frucht von Mission

Jesus hat uns nicht beauftragt, neue Kirchen zu starten. Die Leiter der Urgemeinde starteten dennoch neue Gemeinden. Warum? In Titus 2,14 lesen wir,

„… Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.“

Das Ergebnis von Gottes Erlösungswerk ist ein Volk, nämlich Gottes Volk. Die wahre Frucht von Evangelisation und Mission sind nicht lediglich einzelne neue Christen. Vielmehr neue Gemeinden, an neuen Orten, in einem neuen Milieu oder einem anderen Stadtteil.

Der emotionale Grund: Die Welt ist Gottes große Liebe

„Die Welt ist Gottes große Liebe.“[Johannes Reimer] Für diese Welt verließ Gott seinen Himmel (Joh. 3,16). Diese Welt versöhnte er mit sich selbst durch sein stellvertretendes Sterben (2.Kor.5,18+19). Nur weil es eine verlorene Welt gibt, nur deshalb braucht es auch eine Gottes Kirche auf unserer Erde.

Dennoch sind manche Christen völlig zufrieden, Gemeinde ohne Bezug zu Gottes verlorener Welt zu leben. Genialer Lobpreis, tiefe Predigten und die Geborgenheit von Kleingruppen sind doch auch toll – ohne die Welt, oder?

Es gibt da nur einen kleinen Denkfehler: „Die Welt ist Gottes große Liebe!“ Die Gemeinde existiert in der Welt für die Welt. Die Gemeinde ist Gottes Missionsagent, von Gott gesandt, um einer verlorenen Welt Heil, Hoffnung und Ewigkeit anzubieten.

Diese Herzensangelegenheit Gottes ist der Pulsschlag in der Gemeindegründung. Theologie- Studenten, die bei uns ein Gemeindegründungspraktikum machten, berichten das gleiche: „Ich habe noch nie so viel Zeit mit Nichtchristen verbracht, wie in diesem Praktikum.“ Gemeindegründung führt Christen immer wieder zu den Menschen unserer Welt. Sie ist und bleibt Gottes große Liebe.

Der statistische Grund: Es liegt mehr vor uns als hinter uns

Die bestehenden Gemeinden in unserem Land sind der Grund, warum Woche für Woche tausende von Menschen Gutes erfahren.

Gleichzeitig zeigt uns die geistliche Statistik, dass noch mehr getan werden muss. Uns geht es heute wie dem Volk Gottes vor tausenden von Jahren. In Josua 18,3 lesen wir die Aufforderung:

 „Wie lange zögert ihr noch, hineinzugehen und das Land einzunehmen, das euch der HERR, der Gott eurer Väter, gegeben hat?“

Gott gab Israel zwölf Landanteile. Davon hatte Israel bereits fünf erschlossen. Sieben Anteile warteten noch darauf. Deshalb mobilisierte Josua, der Leiter, das Volk mit den Worten, „wie lange zögert ihr noch, hineinzugehen und das Land einzunehmen?“ Es lag immerhin mehr vor ihnen als hinter ihnen.

Unsere geistliche Statistik liefert ein ähnliches Bild. Es gibt lediglich 2 bis 5 % gläubige Christen in unserem Land. Es liegt mehr vor uns als hinter uns. Die kontinuierliche Gründung neuer Kirchen ist der effektivste Weg, um die geistliche Statistik in unserem Land deutlich zu verbessern. Denn die Anzahl der Gemeinden, die wir noch gründen müssen, ist größer als die Anzahl der bestehenden Gemeinden.

Wir werden mit unserer Mission auf einer ganz anderen Ebene unterwegs sein, wenn wir nicht begründen müssen, warum wir neue Gemeinden gründen, sondern warum Gemeinden keine neuen Kirchen starten.

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